6 Fazit
Zusammenfassend führt die Untersuchung „War mein Opa ein Nazi?“ zunächst zu der Erkenntnis, dass die eigentliche Großvatergeneration aufgrund ihres jungen Alters während des Nationalsozialismus, für dieses Thema nicht infrage kommt. Die Spurensuche beziehungsweise Ahnenforschung verlagerte sich daher auf die vorherige Generation und damit auf die Geschwister meines Uropas aus meinem Elternhaus insbesondere, auf meinen Urgroßonkel August Stöppler. Seine Biografie, die sowohl durch familiäre Erzählungen als auch durch archivierte Quellen von Georg Stöppler, Marianne Roger, meinem Opa Herbert sowie den Entnazifizierungsbericht nachvollziehbar wurde, eröffnet einen Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus und dessen Auswirkungen auf das familiäre Umfeld. Entgegen der vermeintlichen Vermutung, August Stöppler sei eventuell Mitglied der SS oder der Partei gewesen, zeigt sich, dass seine militärische Laufbahn ausschließlich innerhalb der Wehrmacht stattfand. Erst beim RAD und schließlich bei der 1. Fallschirmjägerdivision. Seine strenge und regelgebundene Art, an die in der Familie bis heute erinnert wird, erklärt sich zwar teilweise aus seiner militärischen Sozialisation, liefert jedoch keinen Beleg für speziellere Nähe zur Ideologie der Nationalsozialisten. Der Entnazifizierungsbericht ordnet ihn klar als unbelastet und in Gruppe V ein. Damit wird ein wesentlicher Teil der Vermutung entkräftet. Gleichzeitig verdeutlicht die Ausarbeitung, wie eng die Familie damals mit den politischen und militärischen Entwicklungen verflochten war. Neun Brüder, die im Krieg dienten, zwei gefallene Familienmitglieder und das Elternhaus, der Rückkehrort für die heimkehrenden Soldaten. All dies zeigt wie tief der Krieg in den Alltag und der Identität verstrickt gewesen war. Insgesamt macht die Hausarbeit deutlich, dass Zuschreibungen wie Parteiangehörigkeit nicht vorschnell erfolgen darrf, sondern einer sorgfältigen historischen Einordnung bedarf. Zwar war er Teil eines verbrecherischen Krieges, doch die biografische Rekonstruktion lässt keine eindeutige ideologische Verstrickung erkennen. Vielmehr entsteht das Bild eines Mannes, der innerhalb der Strukturen des Nationalsozialismus funktionierte, dessen Verhalten stark von militärischer Disziplin, einem streng geordneten Lebensstil aber auch vor allem im späteren Verlauf als guter Familienmensch geprägt war. Abschließend sei noch erwähnt, dass August Stöppler später nach dem Krieg voll in der Familie integriert war. Bei seinen Besuchen brachte er Schokolade für die Kinder mit, beteiligte sich und organisierte Familienfeiern.[Erfahren in Gesprächen mit dem Patenkind von August Stöppler Marianne Roger] Bei Familienfeiern zeigte er sich als geselliger Familienmensch. Der „Komisskopf“ hatte sich verwandelt.
Damit trägt die Hausarbeit nicht nur zur Beantwortung der Ausgangsfrage bei, sondern auch zu einem besseren Verständnis der eigenen Familiengeschichte und der verschiedenen Biografien in Zeiten des Nationalsozialismus.