4 Die grünen Teufel von Monte Cassino
Einer der bekanntesten und bedeutsamsten Kämpfe der 1. Fallschirmjägerdivision, in der August Stöppler kämpfte unter General Heidrich, waren die Schlachten um Monte Cassino.
Dem Entnazifizierungsbericht auf Seite 5 kann man entnehmen, dass August in der 1. Fallschirmjägerdivision gewesen war und das genau in der Zeit um Monte Cassino herum. Die Schlacht um Monte Cassino gehört zu den intensivsten und verlustreichsten Schlachten des zweiten Weltkrieges aus der Italienischen Region. Zwischen Januar und Mai 1944 versuchte die alliierte Seite, den deutschen Verteidigungsring der sogenannten Gustav- Linie zu brechen, um somit den Vormarsch nach Rom zu sichern. [Pahl, M. (2021). Monte Cassino 1944. Der Kampf um Rom und seine Inszenierung. Paderborn: Schöningh. S.1]
Dabei spielte auf deutscher Seite die 1. Fallschirmjägerdivision, die unter dem Kommando von General Richard Heidrich stand, eine wichtige zentrale Rolle. Ihr Einsatz im Raum Monte Cassino, insbesondere auf der Höhe des Monte Cassino Klosters und im umgebenen Gelände, ging in die Militärgeschichte ein. Vor allem aufgrund der extremen Bedingungen, der Härte der Kämpfe und der strategischen Bedeutung der Kämpfe/ des Geländes.
Die Fallschirmjäger waren innerhalb der Wehrmacht als besonders gut ausgebildete und kampfstarke Truppe, daher galten sie in der Wehrmacht auch als „Hitlers Elite Soldaten“. [Pahl, M. (2021). Monte Cassino 1944. Der Kampf um Rom und seine Inszenierung. Paderborn: Schöningh. Seite 2]
Nachdem sie im Kriegsverlauf zunehmend als Infanterie eingesetzt wurden, standen sie 1944 an einem der entschiedensten Punkte der deutschen Verteidigung in Italien. Unter Heidrichs Führung übernahm die Division die Aufgabe, die alliierten Angriffe auf den Monte Cassino abzuwehren, nachdem vorherige Verbände hohe Verluste erlitten hatten. Heidrich selbst war als Offizier für seine organisatorischen Fähigkeiten bekannt. Die Stellung der Fallschirmjäger war durch felsiges Gelände, der Winterkälte und ständige Artilleriebeschüsse geprägt. Das Kloster spielte in der Schlacht eine entscheidende Rolle, da erst von der Wehrmacht angeordnet wurde, dass die deutschen das Kloster nicht betreten sollen, beziehungsweise den Krieg nicht dahin zu verlagern um die Bevölkerung darin nicht mit einzubeziehen. Jedoch war das Kloster aufgrund der massiven Bauweise eine strategisch gute Stellung, somit vermuteten die Alliierten deutsche Stellungen/Soldaten in dem Kloster. Damit fiel die Entscheidung der Alliierten, das alte Benediktinerkloster auf dem Gipfel des Berges zu bombardieren[30]. Das führte zu schweren Zerstörungen, ohne jedoch die Verteidigungsfähigkeit der deutschen Truppen, wie erhofft zu brechen. Die Ruinen boten den Fallschirmjägern zusätzlichen Schutz, was die Kämpfe weiter intensivierte. Für die Soldaten bedeutete dies, Wochen unter extrem belastenden Bedingungen, physisch als auch psychisch.
Angegriffen wurde die Stellung von mehreren alliierten Einheiten, wie zum Beispiel: USA, Kanada, England, Polen und Neuseeland. Die Division hielt ihre Stellung über Monate hinweg gegen zahlenmäßig und materiell überlegene alliierten Einheiten. Dies führte zu hohen Verlusten auf beiden Seiten und prägte sinnbildlich das Bild des Ortes für die zerstörerischen Schlachten des Italienischen Feldzuges. Erst im Mai 1944 gelang es den Alliierten schließlich, den Widerstand zu brechen. Die Fallschirmjäger zogen sich zurück und die Stadt Cassino lag zu diesem Zeitpunkt nahezu vollkommen in Trümmern. Die historische Bewertung der Schlacht bleibt bis heute vielschichtig, einerseits wird die militärische Leistungsfähigkeit der Fallschirmjäger hervorgehoben, andererseits gehört die Einordnung in den Kontext der Nationalsozialistischen Kriegspolitik dazu. [Caddick-Adams, P. (2013). Monte Cassino: Ten Armies in Hell. Oxford University Press. Seite 148-150]
Aus dieser Schlacht kam zum Beispiel auch der Spitzname „Grüne Teufel“ der Fallschirmjäger.
In diesem Kontext lässt sich auch die persönliche Geschichte meines Urgroßonkels August Stöppler einordnen, der zu dieser Zeit, laut dem Entnazifizierungsbericht in der 1. Fallschirmjägerdivision war. Zu der individuellen Geschichte beziehungsweise Perspektive lässt sich im Falle August nicht allzu viel sagen. Er berichtete nie über den Krieg oder seine über ein Jahr andauernden Gefangenschaft. Es lässt sich aber feststellen, dass er eine Verletzung von der Schlacht davongetragen hatte, da er im Entnazifizierungsbericht bei besonderen Merkmalen einen Kreuzschnitt am linken Unterschenkel hatte, sowie als Abzeichen das Verwundetenabzeichen erhalten hat.